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Antisemitismus als politische Strategie und die Entwicklung der Demokatie

Das Projekt untersucht die Zusammenhänge zwischen Parlamentsdebatte und Demokratieentwicklung in post-faschistischen Gesellschaften. Das übergeordnete Forschungsinteresse gilt den Implikationen von Parlamentsdebatten für die (Re)konstruktion von nationaler Identität und die Entwicklung demokratischer politischer Kultur. Diese Fragestellung wird anhand einer Fallstudie zu antisemitischer Rhetorik im Österreichischen Parlament (Nationalrat) nach dem 2. Weltkrieg bearbeitet, welche aufzeigt, wie parlamentarischer Antisemitismus österreichische Identitätskonstruktionen und Vorstellungen von demokratischer Kultur beeinflusst hat.

Das Projekt untersucht antisemitische Rhetorik im Parlament als Indikator für Demokratiequalität und setzt Debattenanalyse als Instrument ein, um diese zu evaluieren. Der österreichische Fall verspricht diesbezüglich aussagekräftige Resultate, da die Etablierung formaler Demokratie mit der (fehlenden) Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit einherging.

Debattenanalyse ermöglicht die Untersuchung des Verhältnisses von parlamentarischer Rhetorik und demokratischer Kultur, indem sie aufzeigt, wie Antisemitismus als rhetorisches Mittel eingesetzt wurde, um zwischen einfachen StaatsbürgerInnen und ‘wahren ÖsterreicherInnen’ zu unterscheiden und damit Schuld an den Nazi-Verbrechen sowie Kompensationsforderungen abzuwenden. Anti-pluralistische Tendenzen, die bereits die 1. Republik unterwandert hatten, prägten so auch die politische Kultur der 2. Republik.

Das Projekt entwickelt ein methodologisches Verfahren, welches Rhetorik- und Diskursanalyse verbindet und damit Ansätze aus Linguistik, Parlamentarismus-, Demokratie- und politische Kulturforschung verknüpft. Damit werden die stenographischen Protokolle der Nationalratssitzungen von 1945 bis 2008 unter besonderer Berücksichtigung des Verhältnisses von Debattenkultur, Geschäftsordnung und breiteren sozio-politischen Kontexten untersucht.

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